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Canasta

Canasta ist ein Kartenspiel für zwei Personen bis sechs. Im Normalfall wird jedoch Canaste zu viert gespielt, wobei immer zwei Spieler ein Team bilden. Canasta wird mit zwei vollständigen Kartendecks, also insgesamt 110 Karten, gespielt. Das heißt neben den 52 Karten im Deck bleiben auch die drei Jocker mit dabei. 

Das wird gebraucht

Kartendeck mit Joker Zwei Spieler

Spielziel

Das Ziel von Canasta ist, möglichst viele Punkte durch die Meldungen von gleichrangigen Karten, insbesondere durch die Meldungen so genannter Canasta, zu erreichen. Dabei setzt sich eine ganze Partie Canasta aus mehreren Einzelspielen zusammen. Eine Partie endet, wenn eine Partei 5000 oder mehr Punkte erreicht hat. An die gewinnende Partei zahlt die Verliererpartei die Punktedifferenz als Betrag.

Historie

Das Kartenspiel Canasta ist ein Kartenspiel, welches mit 4 Personen in 2 Partnerschaften gespielt wird. Entgegen dem Spiel Doppelkopf oder Schafkopf sind jedoch auch Varianten mit 2, 3, 5 und auch 6 Personen vorhanden.

Neben dem Spiel Bridge war Canasta Ende der 1950er Jahre das Kartenspiel, welches am häufigsten gespielt wird. Es gelangte über die USA nach Großbritannien und so nach Europa. In Uruguay, Argentinien und anderen südamerikanischen Staaten verbreitete sich das Spiel etwa Anfang der 1940er Jahre, nachdem es im Jahr 1939 von Herrn Segundo Santos und dessen Bridge Partner in der Stadt Montevideo entwickelt wurde – so zumindest die Erzählungen von Philip E. Orbanes in seinem Buch The Canasta Story. Innerhalb weniger Jahre entstanden wahnsinnig viele Varianten von Canasta, die bekannteste ist Samba Canasta, welche mit drei Paketen gespielt wird.

Spielvorbereitung

Bevor eine Partie beginnt, werden die Partnerschaften ausgelost. Hierbei zieht jeder Spieler eine Karte. Die beiden höherwertigen Karten bilden gegen die beiden niederwertigen ein Team. Wenn zwei oder mehr Spieler Karten gleichen Ranges ziehen, so gilt die entsprechende Reihung der Farben, welche vom Bridge her bekannt ist. Die niedrigste Farbe ist in diesem Sinne das Kreuz , sodann folgen das Karo , das Herz  und zuletzt das Pik . Der Spieler mit der allerhöchsten Karte ist im ersten Spiel die Vorhand, sein Partner sitzt ihm gegenüber und sein rechter Nachbar ist der Kartengeber fürs erste Spiel. Nach jedem Spiel wechselt das Teilen im Uhrzeigersinn. Der Kartengeber lässt nach dem Mischen der Karten abheben und gibt die Karten aus. Dabei erhält jeder Spieler 11 Karten. Alle restlichen Karten werden in dem Stapel verdeckt in die Tischmitte gelegt. Danach wird die oberste Karte des Kartenstapels aufgedeckt und neben ihn gelegt. Wenn es sich bei dieser Karte um einen Joker, einen Zweier, einen roten oder einen schwarzen Dreier handelt, so wird eine weitere Karte abgehoben und darauf gelegt. Dies geschieht so lange, bis eine Karte mit dem Wert zwischen Vier und Ass auffliegt.

Die roten Dreier

Wenn ein Spieler beim Kauf vom Stoß oder beim Teilen einen roten Dreier erhält, so muss er diesen für alle sichtbar offen vor sich legen und darf im Gegenzug vom Stoß eine Ersatzkarte beziehen. Insofern der rote Dreier jedoch mit einem Paket gekauft wird, darf keine Ersatzkarte gezogen werden. Jeder roter Dreier zählt bei der Abrechnung des Spiels 300 Pluspunkte, insofern die Partei Karten überhaupt gemeldet hat. Wenn die Partei keine erste Meldung machen konnte, zählt jeder der roten Dreier 100 Minuspunkte. Wenn eine Partei alle 4 roten Dreier hält, werden diese mit insgesamt 800 Punkten – je nachdem plus oder minus – bewertet. Wenn jemand einen roten Dreier wiederum auf der Hand behält und das Spiel zu Ende geht, so werden dem Spieler nach dem Spiel Ende 500 Punkte abgezogen, insofern der Spieler wenigstens einmal am Zug war.

Bewertung der Karten

Das Spiel Canasta wird mit 108 (französischen) Spielkarten also zweimal 52 Blatt und den vier Jokern, gespielt. Dabei gilt die folgende Punktewertung:

  • 50 Punkte für echte Joker
  • 20 Punkte für Asse und Zweier
  • 10 Punkte für Damen, Könige, Buben, Zehner, Neuner und Achter
  • 5 Punkte für Sieben, Sechser, Fünfer, Vierer und für schwarze Dreier

Die roten Dreier werden wie bereits erklärt gesondert gewertet. Der Begriff wilde Karten bezeichnet die Joker und die Zweier. Die roten Dreier wiederum werden als Prämienkarten bezeichnet, schwarze Dreier sind Sperrkarten. Unter dem Namen natürliche Karten werden jene mit den Werten von Vier bis Ass handelt. Es gibt für Canasta auch spezielle Karten, auf welchen die Punktwerte aufgedruckt sind.

Spielverlauf

Ist ein Spieler an der Reihe, so fängt er sein Spiel entweder durch die Aufnahme der obersten Karte vom Kartenstapel oder durch die Aufnahme der obersten Karte vom Ablegestapel an. Dieser Ablegestapel wird auch Paket genannt. Unter Beachtung der entsprechenden Regeln, dazu später mehr, darf er nun nach Belieben Karten melden. Sein Zug ist beendet, wenn er eine Karte ablegt bzw. eine Karte offen oben auf das Paket legt. Es ist dabei besonders darauf zu achten, dass beim Paket wirklich nur die alleroberste Karte sichtbar ist.

Wie Karten gemeldet werden

Beim Spiel Canasta ist es nur erlaubt, gleichrangige Karten zu melden. Eine Meldung wiederum muss mindestens drei Karten beinhalten, wovon mindestens zwei natürliche Karten sein müssen. Ferner darf eine Meldung maximal drei wilde Karten enthalten. Wenn sieben gleichrangige Karten gemeldet werden, so nennt man das Canasta. Wenn ein Canasta wilde Karten enthält, handelt es sich um das so genannte gemischte Canasta. Das wird dann mit 300 Punkten bewertet. Wenn das Canasta wiederum aus sieben natürlichen Karten besteht, handelt es sich um das reine Canasta, was mit 500 Punkten bewertet wird. An eigene Meldungen und an den Meldungen von Partnern kann ein Spieler weitere Karten hinzufügen. Jedoch darf man dies nicht mit den Meldungen der gegnerischen Partei machen. Wenn eine Karte gemeldet wurde, darf diese nicht mehr die Hand zurückgenommen werden. Es ist in diesem Sinne auch nicht gestattet, wilde Karten zwischen Meldungen hin und her zu verschieben.

Die erste Meldung

Gemeldete Karten müssen beim Herauslegen einen bestimmten Mindestwert erreichen. Dieser Mindestwert orientiert sich an dem bisherigen Punktestand der Partei. Die folgende Aufzählung gibt hier eine Übersicht:

  • Unter 0 Punkte beträgt das Limit für die erste Meldung 15 Punkte.
  • Zwischen 0 und 1495 Punkten beträgt das Limit 50 Punkte.
  • Zwischen 1500 und 2995 Punkten beträgt das Limit 90 Punkte.
  • Zwischen 3000 und 4995 Punkten beträgt das Limit 120 Punkte.
  • Canasta oder rote Dreier bzw. deren Prämienpunkte zählen beim ersten Herauslegen nicht zum Limit.

Pakete kaufen

Wenn ein Spieler zwei Karten auf der Hand hat, deren Wert der obersten Karte auf dem Ablegestapel entspricht, so darf er diese Karten zusammen mit der obersten Karte vom Paket melden. Es ist ihm sodann gestattet, die übrigen Karten vom Ablegestapel in das eigene Blatt aufzunehmen. Wenn die Partei noch keine erste Meldung gemacht hat, muss dieser Spieler, bevor er die entsprechenden Karten aus dem Paket aufnimmt, je nach Fall noch weitere Karten melden. Nur so könne das Limit fürs erste Herauslegen erreichen.

Hat die Partei jedoch bereits ihre erste Meldung gemacht und das Paket ist nicht eingefroren, dazu später mehr, dann darf der Spieler das Paket selbst dann kaufen, wenn dieser die oberste Karte des Spielstapels zusammen mit einer Karte desselben Ranges aus dem eigenen Blatt sowie einer wilden Karte meldet. Hierbei spricht man von einem unechten Paar. Es ist ihm auch möglich, die alleroberste Karte an jede beliebige Meldung, welche bereits besteht, anzulegen. Einem Spieler, welcher wiederum lediglich eine Karte auf der Hand hat, ist es nicht erlaubt, das Paket zu kaufen, insofern dieses nur eine einzige Karte enthält. Es ist ferner nicht erlaubt, den Ablagestapel durchzuschauen um im Anschluss daran eine Kaufentscheidung über das Paket zu treffen; die Entscheidung ist mit dem Berühren der obersten Karte vom Stapel unwiderruflich.

Einfrieren und sperren von Paketen

Wenn ein Spieler den schwarzen Dreier, oder irgendeine andere beliebige wilde Karte, ablegt, so darf der Spieler nach ihm das Paket nicht erwerben. Das Paket ist nun gesperrt. Wenn der Ablegestapel einen roten Dreier oder aber eine wilde Karte enthält – beim Teilen kann das passieren – so ist das ganze Paket wiederum eingefroren. Um allen Spielern zu zeigen, dass dieses Paket dann eingefroren ist, so wird die zuerst abgelegte wilde Karte bzw. der entsprechende rote Dreier Beim Teilen auf das Paket quer gelegt. Insofern das Paket nun eingefroren ist, darf der Spieler den Ablegestapel nur in einem ganz besonderen Fall kaufen: Nämlich dann, wenn dieser zwei natürliche Karten in der Hand hält, deren Kartenrang der allerobersten Karte des Paketes entspricht. Wie beim Kauf eines Paketes muss er diese Karten nun gemeinsam mit der Karte ganz oben vom Paket melden.

Ausmachen

Wenn eine Partei bereits wenigstens ein Canasta gebildet hat, darf ein Spieler ausmachen. Dies geschieht, indem dieser Spieler sämtliche Karten auf seiner Hand meldet. Ein ausmachender Spieler ist nicht gezwungen seine Karten abzulegen. Wenn ein Spieler wünscht, auszumachen, ist es ihm gestattet, seinen Partner danach zu fragen. Folgende Phrase ist hierbei üblich: „Darf ich ausmachen?“. Die Entscheidung des Partners ist sodann verbindlich. Im Zuge des Ausmachens dürfen schwarze Dreier gemeldet werden, jedoch nicht in Kombination mit wilden Karten. Die entsprechende Partei schreibt für das Ausmachen eine Prämie von 100 Pluspunkten.

Verdecktes Ausmachen

Wenn es einem Spieler gelingt, in einem Blatt ein Canasta zu bilden und so sein eigenes Blatt in einem einzigen Zug vollständig in eigenen Meldungen – also ohne eine frühere Meldung – auszulegen, so prämiert das Spiel dies mit 200 Punkten anstatt der üblichen 100 für das Ausmachen. Eine Regelung für dieses Limit für die erste Meldung entfällt beim verdeckten Ausmachen. Insofern ein Spieler in dem Zuge ausmacht, in welchem er das Paket kauft, ohne vorher eine Meldung gemacht zu haben bzw. ohne vorher an Meldungen seines Partners anzulegen, so fällt das ebenfalls unter ein verdecktes Ausmachen. Wenn es sich hierbei um die erste Meldung handelt, bleibt die Regelung für das Limit jedoch bestehen. Manchmal wird das verdeckte Ausmachen auch als so genanntes Hand-Canasta bezeichnet.

Die letzte Karte des Kartenstapels

Wenn ein Spieler die letzte übrig gebliebene Karte auf dem Kartenstapel kauft und eine Karte ablegt ohne auszumachen, dann kann er entweder das Paket kaufen (insofern er dazu berechtigt ist) oder der nachfolgende Spieler muss das Paket kaufen, insofern er mit der obersten Karte eine Meldung erweitern kann, außer das Paket ist eingefroren. Sobald ein Mitspieler den Abwurfstapel weder mehr aufnehmen kann oder aufnehmen will, endet das Spiel. Eine Prämie für das Ausmachen entfällt, wenn das Spiel aufgrund von Kartenmangel beendet wird. Wenn ein Mitspieler die letzte Karte vom Kartenstapel kauft und es sich bei dieser Karte um einen roten Dreier handelt, endet das Spiel augenblicklich, da es ihm ja nicht möglich ist, eine Ersatzkarte zu ziehen. Der Spieler darf weder abwerfen noch melden.

Abrechnung

Minuspunkte gibt es für die roten Dreier, insofern die Partei keine erste Meldung machen konnte. Ebenso gibt es Minuspunkte für alle Karten, die ein Spieler am Ende noch auf der Hand hat. Pluspunkte wiederum gibt es für rote Dreier im Falle einer Erstmeldung. Wie bereits erläutert zählt ein einzelner roter Dreier 100 Punkte, für alle roten Dreier zusammen gibt es 800 Punkte. Ebenso Pluspunkte sind Prämien für Canasta, wobei es 500 Punkte für ein reines Canasta gibt und 300 Punkte für ein gemischtes Canasta. Prämien fürs Ausmachen geben 100 Pluspunkte, dass verdeckte Ausmachen gibt 200 Pluspunkte. Ferner wird die Punktewertung aller gemeldeten Karten zu den Pluspunkten verbucht. Das schließt die Karten in den Canastern mit ein.

Ende einer Partie

Nach jedem Spiel werden die Minuspunkte und Pluspunkte aufsummiert. Eine Spielpartie endet mit dem Ende des Spiels, in welchem mindestens eine der Parteien wenigstens 5000 Punkte erreicht.

Canasta für 2 oder 3 Spieler

Wie eingangs bereits erklärt lässt sich Canasta auch mit 2 oder 3 Spielern spielen. Wenn man zu zweit spielt erhält jeder Spieler 15 Karten. Bei einem Spiel zu dritt erhält jeder Spieler wiederum 13 Karten. Bei beiden Varianten werden keine Partnerschaften gebildet, das heißt jeder Spieler spielt allein für sich selbst.

Canasta in Österreich

Das so genannte Wiener Canasta, welches in Österreich gespielt wird, weicht von den grundlegenden Regeln etwas ab:

Rote Dreier zählen beispielsweise nur dann Pluspunkte, wenn die entsprechende Partei wenigstens ein Canasta besitzt. In anderen Falle zählen sie negativ, die Erstmeldung selbst ändert daran nichts. Ferner dürfen die wilden Karten in einer Meldung niemals in der Mehrzahl sein. Es gilt weiterhin, dass wenn ein Spieler eine Karte ablegt, welche von einem nachfolgenden Gegenspieler an ein bereits etabliertes Canasta angelegt werden könnte, dieser Gegenspieler das Paket nicht kaufen darf. Das Ablegen einer solchen Karte ist also mit dem Ablegen von einem schwarzen Dreier gleichzusetzen. Im Wiener Canasta wird das verdeckte Ausmachen (oben erklärt) außerdem Hand-Canasta genannt und statt der üblichen 200 Punkte mit einem Bonus von 1000 Punkten prämiert. Wenn ein Spieler in selbiger Art ausmacht, jedoch kein eigenes Canasta seiner Hand meldet, so bezeichnet man das als glatt oder verdeckt Ausmachen. Es wird mit 200 Punkten bewertet. Wenn ein Spieler im gleichen Zug ausmacht, in welchem er das Paket kauft, erhält er keine erhöhte Prämie. Beim Wiener Canasta ist außerdem die Regel, dass ein Mitspieler mit nur einer Karte im Blatt ein Paket, welches nur eine Karte enthält, nicht kaufen darf, nichtig.

Zusätzliche Varianten

Wie bei Kartenspielen üblich wird auch Canasta in einzelnen Spielrunden in sehr vielen unterschiedlichen Varianten gespielt. Die bekanntesten sind in der folgenden Auflistung enthalten:

  • Beim Samba Canasta werden statt zwei ganze drei Whist-Spiele mit Jokern verwendet.
  • Manchmal werden anstelle der originalen 4 sechs Joker verwendet.
  • Teilweise beläuft sich die Anzahl der Karten, welche jeder Spieler bei einer Teilung erhält, auf 13 statt 11.
  • Die Begrenzungen (Limits) für die Erstmeldung variieren.
  • So genannte Joker-Canasta sind Meldungen von lediglich wilden Karten.
  • So genannte Sperr-Canasta enthalten vier schwarze Dreier und drei Joker oder drei rote Zweier oder drei schwarze Zweier. Ein Sperr-Canasta wird mit 1500 Punkten bewertet.
  • Es variieren ferner die Aufnahmebedingungen beim Abwurfstapel, ebenso wie die Möglichkeit, an jedes fertige Canasta eigene Karten anzulegen.
  • Weitere Variationen finden sich in den Prämien für das gemischte Canasta, welche manchmal abhängig von der darin enthaltenen wilden Karten sind, in den Bedingungen für das Ausmachen ebenso wie in der Bewertung für rote Dreier und in der für das Partieende benötigten Punktzahl.

Wie bei jedem Spiel gilt insbesondere hier, derartige Variationen unbedingt vor dem Beginn einer Partie mit allen Spielern zu klären.

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